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Zweiter Geburtstag der DIN EN ISO 9001:2015 - Lebt denn der QMB noch?

9. Februar 2018, Dr. Gunter Effenberger | Saskia Schiefer
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Mit dem Erscheinen der ISO 9001:2015 vor ca. 2 Jahren folgten maßgebende Änderungen für nahezu alle QM-Systemstandards. Nicht zuletzt wurde die für die Automobilindustrie branchenspezifische Norm IATF 16949 geschaffen, um den Neuerungen resultierend aus der ISO 9001:2015 zu entsprechen. Die Grundidee, den Unternehmen mehr Flexibilität, Individualität verbunden mit einem merklich höherem Grad von Eigenverantwortung für die Interpretation und Auslegung von Einzelanforderungen zu ermöglichen, warf im Vorfeld der Normherausgabe viele Fragen und Diskussionen auf. Grundlegend entfiel die bisher in der ISO 9001 geforderte Funktion eines Qualitätsmanagementbeauftragten (QMB). Die Pflichten und Verantwortlichkeiten für das QM-System sind bekanntlich der obersten Leitung direkt übertragen worden.
 
Auffällig waren auch die Neuerungen bezüglich der Dokumentation und des Umganges mit Risiken und Chancen als Ersatz für das in den Vorgängerausgaben verlangte dokumentierte Verfahren für Vorbeugungsmaßnahmen. Simultan wurde der prozessorientierte Ansatz verstärkt. Daraus resultierten neue Anforderungen an die Prozesse und deren Anwendung innerhalb der Organisation. Nach den anfänglichen Diskussionen, wie Unternehmen die gestiegenen Anforderungen umsetzen und ob es einen QMB überhaupt noch bedarf, werfen wir dazu einen Blick in die Unternehmen. Hierfür wurden Qualitätsmanagementbeauftragte ausgewählter Unternehmen interviewt.
 
Die QMB’s zweier OEM’s im Automotivbereich gaben aufgrund des in dieser Branche seit jeher ausgeprägten Qualitätsverständnisses bzgl. der Produkte und Managementsysteme eine individuelle und stringente Realisierung der Normenänderungen an. Zur Neustrukturierung von Prozessen und Verantwortlichkeiten sowie zum Umgang mit Chancen und Risiken wurden individuelle Lösungen erarbeitet. Dabei erfolgte die Betrachtung der einzelnen Unternehmensprozesse auch unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen und Erwartungen interessierter Parteien. Auf die Rolle des QMB wollte man dabei keineswegs verzichten.
 
Eine ähnliche Fülle an Anpassungsaktivitäten zeigte sich bei zehn weiteren befragten kleinen und mittelständischen Unternehmen des produzierenden Gewerbes aus verschiedenen Branchen. Davon besuchten vier der Befragten Spezialseminare zu den Änderungen der ISO 9001, um die Neuerungen unternehmensspezifisch anpassen zu können und die Zertifizierungsreife des QM-Systems zu erreichen. Die Rolle des QMB blieb dabei erhalten. Weitere vier der befragten Unternehmen ließen sich individuell beraten und erreichten darüber den Kenntnisstand für notwendigen Veränderungen. Besonderes Augenmerk wurde auf den prozessorientierten Ansatz im Hinblick auf die Risikobewertung und -beherrschung gelegt. Fokussiert auf die Prozessorientierung erfolgte eine Neubewertung der erforderlichen Kennzahlen zur Prozessbewertung und -verbesserung. Auch das Erschließen und Aufrechterhalten des unternehmensspezifischen Wissens waren Aktivitäten, die vom QMB initiiert worden sind. Erstaunlich, dass Ansätze des Wissensmanagements auch bei Unternehmen mittlerer Größe genutzt wurden.
 
In allen Fällen erwies sich die Kompetenz und die langjährige Erfahrung der QMB‘s inklusive der QM- resp. QS-Fachabteilungen als notwendig, um das enorme Pensum an Änderungen und Neuforderungen – vor allem im Bereich der Automobilindustrie – konsequent umzusetzen und aktiv weiterzuentwickeln. In diesem Kontext fanden Qualifizierungen von Mitarbeitern im Qualitätsmanagementbereich statt. Teilweise gab es in kleinen Unternehmen sogar Impulse für die Geschäftsführer, sich den Themen Kontext, Stakeholder und Risiken und Chancen nun auch aus Sicht der QM-Systemnorm und des Zertifizierungsprozesses anzunehmen. Zusätzliche Positionen, wie zum Beispiel ein interner QM-Berater resp. QM-Coach, wurden unter der Maßgabe geschaffen, Abteilungen bei der Umsetzung von Neuerungen zu unterstützen.
 
Die Interviews mit den verschiedenen Unternehmen zeigten, dass durch die revidierte Norm das Bewusstsein für ein aktives, die Geschäftsprozesse unterstützendes QM-System gestärkt wurde und der QMB weiterhin eine feste und notwendige, personelle Ressource ist und bleiben wird. Qualifiziertes Fachwissen ist offensichtlich für die intensive Betreuung eines QM-Systems kompetenter Unternehmen und dessen Erfolg existentiell. Firmen, die Seminare über die Änderungen der 9001:2015 besuchten, setzten die konkreten Anpassungen ihrer Prozesse und Strukturen schnell und normenkonform um, die Rezertifizierung wurde zum Teil ohne Abweichungen erteilt. Einmal mehr verdeutlicht dies, wie maßgebend die individuelle Betreuung des QM-Systems durch qualifiziertes Personal zum Unternehmenserfolg beiträgt.
 
Fazit: Totgesagte leben länger!
 
Wenn Sie sich zum Qualitätsmanagement-Beauftragten oder im Bereich QM qualifizieren wollen oder aber Hilfe bei der Interpretation und Umsetzung der ISO 9001:2015 benötigen, stehen wir mit unseren kompetenten Trainern und Fachberatern gern bereit. Nutzen Sie unsere Seminare!
 


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